Kirchenmonitoring für Fledermäuse – verborgene Gäste in alten Gemäuern
Kirchen sind nicht nur Orte gelebter Kultur und Geschichte – für viele Fledermäuse sind sie auch wertvolle Quartiere. Dachstühle, Kirchtürme, Spalten und schwer zugängliche Bereiche bieten ideale Bedingungen für Tiere, die tagsüber unauffällig verborgen bleiben. Umso wichtiger ist es, diese besonderen Lebensräume zu kennen und bei Sanierungen zu berücksichtigen.
Im Rahmen eines Kirchenmonitorings wurden durch den Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e.V. ausgewählte Kirchen im Altkreis Delitzsch begangen und hinsichtlich ihres Potenzials als Fledermausquartier untersucht. Ziel der Erstaufnahme war es, Hinweise auf eine bestehende Nutzung zu finden und vorhandene sowie fehlende Quartierstrukturen zu erfassen. Dabei wurden unter anderem die Lichtverhältnisse im Turm und Kirchenschiff, potenzielle Ein- und Ausflugmöglichkeiten, Hangplätze und weitere Versteckmöglichkeiten bewertet. Auch das Prädatorenmanagement – beispielsweise der Schutz vor Schleiereule, Waschbär und Co – wurde betrachtet.
Bei den Untersuchungen konnten spannende Hinweise auf Fledermäuse gefunden werden. In einigen Kirchen entdeckten wir Kotspuren, die auf Hangplätze und eine Nutzung der entsprechenden Bereiche hinweisen. Teilweise konnten Fledermäuse sogar direkt beobachtet oder anhand ihrer charakteristischen Rufe über Detektoraufnahmen festgestellt werden. Solche Nachweise machen deutlich, dass Kirchen für Fledermäuse tatsächlich wichtige Quartiere darstellen können – auch wenn die Tiere bei einer normalen Begehung meist unsichtbar bleiben.
Um die aktuelle Nutzung einzelner Bereiche genauer zu überprüfen, wurden die favorisierten Hangplätze im Anschluss mit Zeitungspapier am Boden ausgelegt. Herabfallender Fledermauskot lässt sich darauf besonders gut erkennen und ermöglicht einen vergleichsweise einfachen Nachweis einer aktuellen Quartiernutzung. Nach der Jungenaufzucht (Wochenstubenzeit) wurde das gesammelte Material mit Handschuhen und Proberöhrchen eingesammelt. Die Kotproben sollen im Labor untersucht werden, um anhand genetischer beziehungsweise molekularbiologischer Methoden möglichst genau zu bestimmen, welche Fledermausarten die Kirchen nutzen.
Kleine Tiere, große Bedeutung
Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Säugetieren unserer heimischen Tierwelt. Sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können, orientieren sich mithilfe von Ultraschall und können in einer einzigen Nacht große Mengen an Insekten erbeuten. Viele Arten sind auf bestimmte Quartierbedingungen angewiesen und kehren häufig über viele Jahre zu geeigneten Quartieren zurück.
Gerade Kirchen können dabei eine besondere Funktion übernehmen. Große, warme Dachräume mit alten Lesesteinen und Holzbalken bieten geeignete Bedingungen für Wochenstuben, Sommerquartiere oder Tagesverstecke. Eine thermische Varianz zwischen den verschiedenen Verstecken ist ein entscheidender Faktor. Eine scheinbar kleine Öffnung kann für eine Fledermaus von großer Bedeutung sein.
Doch diese Quartiere sind gefährdet. Bei Dachsanierungen, Fassadenarbeiten oder Reparaturen an Türmen werden Einflugöffnungen und Spalten nicht selten verschlossen oder Quartierbereiche stark verändert und giftige Holzschutzmittel verwendet oder der Baustrahler zur Ausflugszeit auf Öffnungen gerichtet. Geschieht dies während der Anwesenheit von Fledermäusen und insbesondere während der Wochenstubenzeit, können Tiere vergrämt oder im schlimmsten Fall sogar getötet werden.
Deshalb gilt: Fledermausquartiere müssen geschützt und erhalten werden! Bei geplanten Sanierungen sollten mögliche Fledermausvorkommen frühzeitig untersucht und Fachleute hinzugezogen werden. Mit frühzeitiger Planung lassen sich Denkmalschutz, Gebäudesicherheit und Fledermausschutz oftmals gut miteinander verbinden.
Augen auf und Ohren gespitzt!
Wer aufmerksam durch Keller, Scheunen, einen alten Ortskern mit vielen historischen Gebäuden entlanggeht, kann mit etwas Glück selbst Hinweise auf Fledermäuse entdecken. Kleine dunkle Kotkrümel unter möglichen Hangplätzen, typische Einflugöffnungen oder Fledermäuse, die in der Abenddämmerung aus Gebäuden ausfliegen, können spannende Hinweise liefern. Dabei fällt auf, dass es bei sanierten Bauwerken häufig zu still bleibt. Auch wenn die Tiere selbst den Großteil der Zeit verborgen bleiben, lohnt sich der Blick nach oben: Hinter einer kleinen Spalte, unter einem Dach oder in einem alten Kirchturm kann sich ein bedeutendes Fledermausquartier befinden.
Unsere Kirchen sind damit nicht nur historische Gebäude, sondern können zugleich wichtige Rückzugsorte für bedrohte Wildtiere sein. Wer diese unscheinbaren Mitbewohner kennt und ihre Quartiere schützt, trägt dazu bei, dass Fledermäuse auch in Zukunft Teil unserer Kulturlandschaft bleiben und ihre Rolle im Ökosystem übernehmen können.


