Eisvogel © G.Pistora
Gebänderte Prachtlibelle © G.Pistora
 

Aus dem Holz geboren - DVL Landesverband berichtet über das Heldbock Schutz Projekt des LPV Nordwestsachsen

Der DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege) - Landesverband Sachsen besuchte den LPV Nordwestsachsen e.V., um über unser Projekt "Heldbock sucht Bude" zu berichten:

 

Aus dem Holz geboren

Der Heldbock ist eine Charakterart alter Eichenbäume und benötigt grenzübergreifenden Schutz 

Kürzlich an einem Juliabend in Eilenburg: Luisa Haas, Mitarbeiterin des DVL-Regionalbüro Nordwestsachsen, und Beata Zschieschang, ihre Kollegin vom benachbarten Regionalbüro Leipziger Land, treffen sich nach Einbruch der Dämmerung, um durch den allseits beliebten Park entlang der Muldenaue zu streifen. Ihr Ziel sind einige Eichengruppen mit besonders hohen, alten und überwiegend freistehenden Stieleichen, die es entlang der Mulde noch gibt – die aber immer weniger werden. Dabei spenden die alten Eichen den dringend notwendigen Schatten für im Park Erholung Suchende, genauso wie für die auf angrenzenden Auen weidenden Tiere. Die alten Stieleichen sind zudem ein Lebensraum für unzählige Arten, zu denen auch der Große Heldbock gehört. Vor allem diesem nachtaktiven Tier sind die beiden Kolleginnen auf der Spur. 


Kooperation über LPV-Gebietsgrenzen hinweg 

Schwer auffindbar ist der Große Heldbock im Licht der Taschenlampenkegel nicht. Der mit faszinierend langen Fühlern ausgestattete Käfer ist gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit streng geschützt. Zudem gilt er im FFH Kontext als Charakterart von Auenbereichen und bewohnt fast ausschließlich Stieleichen. Aufgrund seiner Standorttreue und der damit einhergehenden Anfälligkeit für Lebensraumzerstörung und -zerschneidung ist er stark bedroht und in Sachsen, wie Haas hervorhebt, nur noch relikthaft vorhanden: „Wir haben als DVL-Regionalbüros und LPVs zwar unsere abgegrenzten Gebiete, in denen wir aktiv sind. Aber solche Grenzen interessieren den Käfer nicht. Entlang der Flussauen von Elbe und Mulde ist sein letztes Hauptverbreitungsgebiet in Sachsen.“ Womit sich auch die Kooperation erklärt.


Im biologischen Kreislauf ist der Heldbock ein Nutznießer der Alterung von Bäumen 

Die jüngste Mini-Kartierung am Juliabend war dabei nur ein Probelauf für eine im nächsten Jahr geplante flächendeckende Kartierung. Eigentlich ist die Suche nach Käfervorkommen die Aufgabe von Fachbüros und wurde bislang im Rahmen von Projekten finanziert, die über die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ umgesetzt werden. Mit dem auf unbestimmte Zeit verhängten Antragsstopp liegt das geplante Projekt zum Heldbock in der Muldenaue aber auf Eis, mit dem ein aktueller Wissensstand über das Vorkommen dieser dringend zu schützenden Art gewonnen werden sollte. Damit trotzdem die Grundlage für ein kluges, weitschauendes Umsetzen von gezielten Maßnahmen, für das der DVL steht, geschaffen werden kann, beschäftigen sich die beiden Mitarbeiterinnen nun selbst intensiv mit der Käfersuche. 

Die fehlenden Fördergelder blockieren darüber hinaus auch die dringend notwendigen Nachpflanzungen von jungen Stieleichen, die in einigen Jahrzehnten dann neuen Lebensraum für den Heldbock bieten. Denn der Heldbock besiedelt die Eichen erst kurz vorm Absterben und ist damit alles andere als ein Schädling, sondern im biologischen Kreislauf ein Nutznießer der Alterung von Bäumen. Was der DVL hier betreibt ist gewissermaßen „sozialer Wohnungsbau für den Heldbock“ wie er an der Elbaue vom dortigen LPV Torgau-Oschatz schon seit vielen Jahren betrieben wird – ein Erfahrungsschatz, auf den aktuell auch andere Regionalbüros zurückgreifen können. 


Für das Nachpflanzen und die Nachpflege bleiben die Ressourcen ungewiss

Einige der bereits initiierten Maßnahmen im Kontext der DVL-Arbeit konnte der LPV Nordwestsachsen jetzt über Fördermittel der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt (LaNU) umsetzen. Auf diese Weise werden im Herbst die Pflanzaktionen für vier Flächen starten. „Doch beim Abrufen der Fördergelder ist ein Eigenanteil des LPV gefragt, somit müssen Umsetzungen noch über den zusätzlichen Einsatz von Ehrenamt gesichert werden,“ schildert Luisa Haas eineweitere ernst zu nehmende Problematik. Darunter fällt u.a. auch die bei großer Trockenheit langjährige und dringend notwendige Nachpflege, ohne die ein junger Baum nicht zu einem alten heranwachsen kann. Ehrenamtlich Engagierte werden immer älter und leider wächst die Zahl junger am Ehrenamt Interessierter auch nicht proportional zum 
Handlungsbedarf.
Bei all den Wermutstropfen gibt es in Eilenburg eine begeisterte JuNa-Gruppe (Junge Naturwächter), die sich um drei gepflanzte Stieleichen kümmert. Für die Schaffung eines intakten Biotopverbunds müssen bei aller Freude über das Aufgehen einzelner Samenkörner allerdings noch mehr Flächen mit Stieleichen bepflanzt werden, die dann zu hohen Schattenspendern für Mensch und Tier, als Lebensraum für viele Arten und auch als „Wohnungen“ für den Heldbock heranwachsen können.

 

Wenn Sie mehr über unser Heldbock Projekt wissen möchten, besuchen Sie uns gern auf unserer Homepage unter: Heldbock sucht Bude.

 

Mehr zur Abreit des Deutschen Verbands für Landschaftspflege finden Sie unter: DVL Landesverband Sachsen

 

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Veröffentlichung

Do, 02. Oktober 2025

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