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FÖJ 2019/20

Hallo,

mein Name ist Elsa Zulauf und ich habe letztes Jahr meinen Schulabschluss am Martin-Rinckart-Gymnasium in Eilenburg gemacht. Es ist natürlich erstmal sehr schön, die Schule vollendet zu haben, doch gleichzeitig stellt sich die Frage – was nun? Eine Ausbildung, gleich studieren oder ein Freiwilliges Jahr.

Für mich war sofort klar, dass ich ein Freiwilliges Jahr machen wollte, denn für eine konkrete berufliche Richtung konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entscheiden. Da ich mich schon immer für die Natur interessiert habe und selbst etwas für unsere Umwelt vor Ort tun wollte, entschied ich mich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim Landschaftspflegeverband (LPV) Nordwestsachsen e.V. Auf diese Weise habe ich die Möglichkeit bekommen, einiges über den Umweltschutz zu lernen, vieles auszuprobieren und mich zunächst erstmal beruflich zu orientieren.

Ich bereite gerade die nächte GTA der Jungen Naturwächten in Hohenprießnitz vor.

"Türme für Tiere"

 

Während des FÖJ bekam ich die Gelegenheit, eine Projektarbeit durchzuführen. Das Thema ist frei wählbar. Dadurch ist es möglich, mich mit einem Thema des Naturschutzes auseinanderzusetzen und dieses voranzutreiben. Ich habe mir für meine Arbeit das Projekt „Türme für Tiere“ ausgesucht. Hier eine kurze Erläuterung:

Gebäudebewohnende Tierarten haben es in der heutigen Zeit immer schwerer. Sie finden in modernen Gebäuden keine Nischen und die Bestandszahlen gehen stetig zurück. An dieses Problem knüpft das Projekt an. Um solchen Tierarten Wohnraum zu bieten, werden alte, abgeklemmte Transformatorenhäuschen saniert und mit Nisthilfen ausgestattet. Somit wird einerseits ein bisschen Geschichte vor dem Abriss bewahrt und andererseits ein Ort geschaffen, an dem gebäudebewohnende Tierarten einziehen können.

Mittlerweile habe ich mit Hellmut 52 Trafohäuschen besichtigt, kartiert und in das Projekt aufgenommen. Viele davon sind bereits für den Umweltschutz umgebaut und beherbergen Schleiereulen, Turmfalken und viele andere Arten.

Auf jeden Fall ist die Arbeit an diesem Projekt vielschichtiger, als ich es mir zu Beginn vorgestellt habe. Geplant ist noch das Anfertigen von Trafosteckbriefen und eine Auswertung der Erfassungsdaten der Tierarten, die bereits in den Trafos wohnen.

Fortsetzung folgt …

Dieses Logo habe ich für die Projektarbeit enworfen.

Ein Trafo stellt sich vor

 

Im Zuge der Projektarbeit haben wir sehr viele Trafotürme aufgenommen, welche über den ganzen Landkreis verteilt liegen. Von Brodau über Hayna, Pressen, Krippehna bis Zaasch oder Zschortau ist alles dabei. Einen davon möchte ich euch nun genauer vorstellen:

 

Trafoturm Hohenprießnitz

Das Trafohäuschen in Hohenprießnitz liegt sehr zentral. Es befindet sich nahe der Ortsdurchgangsstraße B 107, im Kreuzungsbereich zur Noitzscher Straße, direkt gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr.

Erbaut wurde das Häuschen 1918 aufgrund der Beleuchtungsnot in der Kriegszeit. Seitdem erfüllte es Tag für Tag seinen Zweck. Mit der Modernisierung des Stromnetztes jedoch, wurde der Trafo abgeschaltet und war seit 2001 funktionslos.

Glücklicherweise existierte bereits zu dieser Zeit die Idee, alte Trafos zu Artenschutztürmen umzubauen, sodass der Turm in Hohenprießnitz vor dem Abriss gerettet werden konnte.

Aufgrund seiner Erfahrung mit dieser Art von Projekten wurde 2003 der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e.V. mit der Sanierung und Nisthilfeplanung beauftragt. Zunächst erfolgte das Einholen von Angeboten regionaler Firmen. Die Nisthilfen wurden in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde ausgewählt, wobei man die örtlichen Besonderheiten beachtete. Seit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten beschreibt eine Infotafel am Turm Aussehen und Lebensweise möglicher Nistbewohner.

Die Gesamtkosten für den Umbau beliefen sich auf 11.404 € und lagen somit noch unter dem Durchschnittswert für derartige Projekte. Ein Großteil der Kosten konnte dabei durch eine Förderung finanziert werden. Die EnviaM, der vorherige Betreiber des Trafos, beteiligte sich ebenfalls an der Finanzierung.

Mit seinen 9 Nistmöglichkeiten bietet der ehemalige Trafo nun Unterschlupf für verschiedene Tierarten, unter anderem für Turmfalken, Fledermäuse oder Mauersegler. Er wird damit seiner neuen Funktion als Artenschutzturm gerecht. 

Trafo vor dem Umbau
Trafo während des Umbaus, 2003
Trafo nach dem Umbau, 2004